Der neue Snapmaker U1 gehört aktuell zu den interessantesten CoreXY-Druckern im gehobenen Consumer- und Prosumer-Bereich. Besonders spannend ist die Kombination aus hoher Druckgeschwindigkeit, moderner Klipper-Architektur, Multi-Material-Unterstützung und einer überraschend aktiven Community rund um alternative Firmware-Projekte wie Paxx12.
Für mich war vor allem interessant, wie offen das System technisch wirklich ist – und wie gut sich der Drucker im Alltag schlägt. Nach einigen Wochen Praxistests gibt es bereits einiges zu berichten.
Technische Daten des Snapmaker U1
Der U1 setzt auf eine moderne CoreXY-Kinematik und arbeitet intern mit einer angepassten Klipper- und Moonraker-Umgebung. Damit bewegt sich der Drucker technisch eher in Richtung Bambu Lab, Voron oder QIDI als in Richtung klassischer Marlin-Systeme.
Wichtige Eckdaten
- CoreXY-Aufbau
- Klipper-Firmware mit Moonraker-API
- Fluidd-basierte Weboberfläche
- automatisches Bed-Meshing
- Mehrfarben-/Materialsystem
- Kameraüberwachung
- hohe Druckgeschwindigkeiten
- Netzwerksteuerung per WLAN
- moderne Linux-basierte Architektur
Snapmaker selbst bestätigte inzwischen offiziell, dass der U1 auf Klipper und Moonraker basiert.
Gerade für erfahrene Anwender ist das interessant, weil sich dadurch viele bekannte Klipper-Workflows nutzen lassen – inklusive Anpassungen an Konfigurationsdateien, Netzwerkzugriff und Community-Erweiterungen.
Firmware und Community-Projekte
Die offizielle Firmware entwickelt sich aktuell noch relativ schnell weiter. Inzwischen existieren mehrere Releases sowie Community-Erweiterungen. Besonders bekannt geworden ist dabei das Projekt von Paxx12.
Paxx12 Extended Firmware
Die sogenannte „SnapmakerU1 Extended Firmware“ erweitert den Drucker um zahlreiche Funktionen, die in der Originalfirmware nur eingeschränkt oder gar nicht vorhanden sind.
Dazu gehören unter anderem:
- SSH-Zugriff
- erweitertes Fluidd/Mainsail
- bessere Kameraeinbindung
- WebRTC-Streaming
- zusätzliche Netzwerkoptionen
- mehr Kontrolle über das Linux-System
- erweiterte Integrationen für Home Assistant und Remote-Zugriffe
Die Community rund um Paxx12 entwickelt erstaunlich aktiv weiter und liefert häufig schneller Lösungen als der Hersteller selbst.
Videos zur Paxx12-Firmware und deren Erweiterungen findet man inzwischen ebenfalls zahlreich auf YouTube.
CryoGrip-Bauplatte von AliExpress – meine Erfahrungen
Besonders überrascht hat mich die CryoGrip-Bauplatte von BIQU, die ich über AliExpress bestellt habe.
Die Platte bietet extrem starke Haftung – teilweise sogar bei relativ niedrigen Temperaturen. PLA haftet nahezu „festgeschweißt“, lässt sich nach dem Abkühlen aber dennoch sauber lösen.
Gerade bei größeren Drucken oder problematischen Materialien konnte ich deutlich weniger Warping feststellen als mit der Originalplatte.
Interessant ist auch:
Die CryoGrip-Platten wurden inzwischen offiziell für den Snapmaker U1 veröffentlicht.
Vorteile der CryoGrip-Platte
- sehr starke Haftung
- weniger Warping
- oft kein Klebestift nötig
- schöne matte Unterseite
- niedrige Betttemperaturen möglich
- gute Energieeinsparung
Problem mit „Probe samples exceed samples_tolerance“
Mit der CryoGrip-Platte trat bei mir allerdings ein bekanntes Problem auf:
„Probe samples exceed samples_tolerance“
Das bedeutet vereinfacht:
Der Sensor misst beim Bett-Leveling zu große Abweichungen zwischen mehreren Messpunkten.
Gerade andere Beschichtungen oder leicht veränderte Oberflächen können dieses Verhalten verursachen.
Lösung: Toleranzwerte in Klipper anpassen
Die Lösung war letztlich relativ einfach.
In der Klipper-Konfiguration müssen die Toleranzwerte etwas angepasst werden. Das geht direkt über die entsprechende Config-Datei.
Beispielwerte
samples: 4
samples_tolerance: 0.020
samples_tolerance_retries: 10
Mit diesen Einstellungen lief das automatische Meshing bei mir anschließend deutlich stabiler.
So geht man dabei vor
Schritt eins – Zugriff auf die Config
Je nach Firmware gelangt man über:
- Fluidd
- Mainsail
- SSH
- oder den integrierten Dateimanager
an die Klipper-Konfiguration.
Meist liegt die Datei unter:
~/printer_data/config/
Schritt zwei – relevante Sektion suchen
Dort findet man je nach Sensor etwa:
[probe]
oder beim induktiven Sensor:
[inductance_coil extruder]
Schritt drei – Werte anpassen
Die Parameter:
samples_tolerance
samples_tolerance_retries
leicht erhöhen.
Danach:
SAVE_CONFIG
RESTART
ausführen oder Klipper neu starten.
Support-Erfahrung mit Snapmaker
Positiv überrascht war ich vom Support.
Auf meine Anfrage erhielt ich tatsächlich innerhalb von ungefähr vierundzwanzig Stunden eine Antwort. Inhaltlich war die Hilfe zwar eher allgemein gehalten und brachte keine direkte technische Lösung – dennoch war überhaupt jemand erreichbar und reagierte vergleichsweise schnell.
Gerade bei neuen Geräten ist das leider nicht selbstverständlich.
Software und Slicer
Der U1 arbeitet mit modernen OrcaSlicer-basierten Workflows. Viele Einstellungen erinnern stark an aktuelle Highspeed-Drucker anderer Hersteller.
Interessant ist dabei vor allem:
- automatische Kalibrierungen
- Input Shaping
- Pressure Advance
- Netzwerkdruck
- Kameraüberwachung
- Multi-Material-Druck
Da intern Klipper verwendet wird, profitieren fortgeschrittene Nutzer zusätzlich von bekannten Klipper-Features und Community-Tutorials.
Mein bisheriges Fazit
Der Snapmaker U1 wirkt aktuell wie ein sehr leistungsfähiger Drucker mit großem Potenzial – besonders für technisch interessierte Nutzer.
Positiv:
- sehr moderne Architektur
- schnelle Druckzeiten
- Klipper-Unterbau
- aktive Community
- alternative Firmware verfügbar
- gute Druckqualität
- starke Erweiterbarkeit
Weniger positiv:
- Firmware noch in schneller Entwicklung
- einige Kinderkrankheiten
- Dokumentation teilweise lückenhaft
- manche Spezialfunktionen proprietär
Wer jedoch gerne experimentiert und sich nicht vor Klipper, SSH oder Config-Dateien scheut, bekommt mit dem U1 einen extrem spannenden Drucker mit viel Zukunftspotenzial.
Mehr Beiträge rund um 3D-Druck, Klipper, ESPHome, Musikproduktion und kreative Technik findet ihr auf 4d-musiker.de







